Ibrahim Arslan am 05.04.2017 zu Gast am TSK

Text: Breyther,   Fotos: St. Bauer

Hinweis: Während der Veranstaltung wurden Dreharbeiten zu einem Film über Ibrahim Arslan durchgeführt. Einen Ausschnitt können Sie sich hier ansehen. Den ganzen Film können Sie sich mit folgendem Link herunterladen und anschauen. Speichern Sie dazu den Film zunächst auf ihrer Festplatte. 

Link zum Film: https://www.hidrive.strato.com/lnk/MeBFojU6

 

Ibrahim Arslan am 05.04.2017 zu Gast am TSK
 

Ibrahim Arslan musste als siebenjähriger Junge Schlimmes erleben:

1992 waren bei den Brandanschlägen von Mölln seine Oma Bahide (51 Jahre), seine Schwester Yeliz (10 Jahre) und seine Cousine Ayse (14 Jahre) ums Leben gekommen. Die beiden Täter hatten, nachdem sie in ein von türkischen Familien bewohntes Haus zwei Brandsätze geworfen hatten, um 0:31 Uhr die Polizei angerufen mit den Worten: „In der Ratzeburger Straße brennt es. Heil Hitler!“. Dann fuhren sie weiter zum Haus der Familie Arslan, gossen Benzin in den Flur und warfen Brandsätze. Dadurch wurde der einzige Fluchtweg für die schlafende Familie versperrt.

    

Seit vielen Jahren besucht Herr Arslan Schulen, um über diese traumatische Nacht und seine Erfahrungen als Opfer einer rassistisch motivierten Tat zu berichten:

Am 05. April 2017 war er zu Gast am Theodor-Schwann-Kolleg und hat vor über 100 Studierenden in der Aula über seine traumatischen Erlebnisse gesprochen. Eröffnet wurde der Vormittag durch vier Präsentationen: Fünf Semester aus Abendrealschule und -gymnasium hatten sich an einem Projekttag ausführlich über die Ereignisse in Mölln informiert und den Dokumentarfilm „Nach dem Brand“ in Gruppen aufgearbeitet. Die Ergebnisse dieses Tages wurden Ibrahim, wie er sich den Studierenden direkt zu Beginn der Veranstaltung vorstellte, ausführlich erklärt. Gerührt von der intensiven Arbeit der Schüler bat Arslan darum, die Plakate mit nach Hause nehmen zu dürfen, um sie seiner Familie zeigen zu können.

   

Bereits im Vorfeld der Veranstaltungen hatten sich die meisten Studierenden Fragen an Ibrahim überlegt und diese auf Moderationskarten festgehalten. So wollte z.B. ein Studierender wissen, ob er nach der Brandnacht an Rache gedacht habe, schließlich habe man ihm enge Familienangehörige genommen. Ibrahim gibt zu, sich darüber Gedanken gemacht zu haben, aber er sei zu dem Ergebnis gekommen: „Die Opferrolle finde ich angenehmer und ehrenvoller! Hätte ich mich gerächt, hätte ich mich mit den Tätern auf eine Stufe gestellt und ihnen mehr Aufmerksamkeit gegeben als sie verdient haben! Ich möchte lieber mit euch sprechen und euch motivieren, für demokratische Werte einzutreten!“

Auch das Thema „Alltagsrassismus“ wurde diskutiert: Herr Arslan wollte von den Studierenden wissen, inwiefern sie selbst bereits mit Rassismus in Berührung gekommen sind – zahlreiche Beispiele aus Straßenverkehr, Beruf oder Ämterwelt wurden genannt. Ibrahim betonte in der anschließenden Diskussion immer wieder, wie wichtig es sei, nicht wegzuschauen und auch bei vermeintlich kleinen Diskriminierungen/Vorkommnissen nicht wegzuschauen, sondern sich aktiv für demokratische Grundwerte einzusetzen.

Auch nach dem offiziellen Ende der fast zweistündigen Veranstaltung blieben noch viele Studierende in der Aula, um sich mit Ibrahim Arslan im kleinen Kreis zu unterhalten oder sich Fotografien aus der Brandnacht zeigen zu lassen. Die Plakate wurden übergeben und erste Pläne geschmiedet, Familie Arslan bei ihrer jährlichen Gedenkfeier in Mölln zu unterstützen: Wir werden sicherlich bald darüber berichten....